Nach der Pause gestern ging es heute also wieder los. Die
Wolken und Gewitter von gestern bzw. der Nacht davor war wieder vollkommen
verschwunden und der Himmel strahlend blau. Vor dieser Etappe hatte ich schon
etwas Respekt. Immerhin würde es über 100 km mehr oder weniger nur bergauf
gehen – und dann noch mit 151 km die bisher längste Etappe überhaupt werden.
Nachdem erst die Fahrt durch León geschafft war ging es
gleich nach der Stadtgrenze recht steil hinauf. Ein schöner Blick über die
Stadt war es zwar – aber wenn das so weitergehen würde, würde ich noch Spaß
haben. Ich fuhr also immer weiter auf die Berge zu, die ich schon vor 2 Tagen,
bevor ich nach León gefahren war, gesehen hatte. Und es ging überraschend gut.
Als ich das erste Mal schaute wo ich eigentlich war, war schon mehr als ¼ der
Strecke erledigt. Mir half hierbei sicherlich auch der leichte Rückenwind, den
ich von Anfang an hatte, dass die eigentliche Steigung kaum spürbar war. Mit
rd. 30 km/h ging es weiter – vielleicht auch motiviert durch die Landschaft,
die hier endlich wieder so war, wie ich es mag. Es gab links und rechts Berge
mit Felsen, es gab Wiesen und Flüsse. Alles Dinge, die es zuvor auf den Etappen
zumindest teils nicht gab.
Auch war es wegen der Höhe deutlich kühler als die Tage
zuvor. So lag die Temperatur irgendwo um knapp 30°C.
Einen kleinen Umweg musste ich fahren, da sonst heute
wieder ein Schotterweg dabei gewesen wäre. Wenn dies nur ein kurzes Stück ist,
ist es nicht dramatisch. Aber eventuell mehrere Kilometer über unebenen
Schotter fahren brauche ich ehrlich gesagt nicht. In erste Linie hatte ich
bisher Angst um die Reifen – ähnlich spitze Steine liegen aber auch auf den
Seitenstreifen, weshalb ich so lange kein Auto von hinten kommt diese nicht
nutze. Im Vergleich mit der Straße ist es einfach zu schmutzig.
In dieser Gegend gab es wohl früher einmal Bergbau.
Zumindest fanden sich immer wieder neben der Straße aufgelassene Anlagen mit
Fördertürmen. Die Berge wurden mit der Zeit immer größer und felsiger.
Und auch heute gab es eine Premiere: Tunnel. In Italien
hatte ich letztes Jahr ja unendlich viele Tunnel, auf dieser Reise noch
überhaupt nicht. Daran gedacht hatte ich natürlich auch nicht und das Licht
deswegen irgendwo ganz unten in der Tasche. Ob der Länge wagte ich es dann ohne
Licht.
Nach dem Tunnel bot sich dann ein wirklich einmaliger Blick
über einen der Stauseen dieser Gegend. Ich hatte die Straße bereits länger als
Fixpunkt in meiner Planung. Um besonders interessante Straßen zu finden suche
ich immer auf Motorrad Webseiten, da dort häufig die Nummern besonderer Straßen
angeführt sind. Dieses Jahr war es also die N-621. Und ich wurde nicht
enttäuscht. Auf rund 1.000 Metern Seehöhe ging es von Stausee zu Stausee, immer
wieder durch Tunnel und dann sogar durch eine kleine Stadt.
Doch dabei ist das eigentliche Highlight der N-621 nicht
ein Stausee oder ein Tunnel, sondern die kurvige Straße, die wieder hinunter
führt Richtung Meer.
Und obwohl es eigentlich die ganze Zeit bergauf ging, ging
es heute erstaunlich gut. Normalerweise motiviere ich mich spätestens bei
Kilometer 70 mit dem Mittagessen, um irgendwie bis Kilometer 90 vor der Pause
durchzuhalten. Heute stoppte ich in dem Ort nach dem Stausee erst bei Kilometer
93. Es bleibt die alte Regel bestehen – lieber eine richtige Steigung oder
konstant bergauf als immer auf und ab (so wie es ab morgen wieder sein wird….).
Und endlich bin ich auch nicht mehr der einzige Radfahrer
hier – mehrmals kamen mit größere Gruppen Rennradfahrer entgegen.
An der Stelle einmal ein Eindruck von meinem Cockpit. Das
Smartphone wirkt irgendwie noch größer als es eigentlich ist… muss an der
Perspektive liegen
Erst die letzte 10 Kilometer vor dem höchsten Punkt der
Reise wurde etwas steiler und ich dadurch langsamer. Aber die Route selber
entschädigte für alles.
Oberhalb der Baumgrenze angekommen zogen immer mehr Wolken
auf. Dies sorgte aber zusammen mit den irgendwie flauschig aussehenden Wiesen
für eine ganz besondere Stimmung.
Und mit der Höhe nahm auch die Temperatur immer weiter ab.
Kurz vor dem höchsten Punkt waren es nur mehr knapp über 20 Grad.
2 Korrekturen an der Stelle. 1. man sieht von ganz oben
alles Mögliche – aber sich nicht das Meer. Die Berge um mich herum sind geschätzt
noch einmal einige hundert Meter höher und ich fuhr auf 1609 m eher durch ein
Tal oder Sattel als über einen Gipfel (wie das ja sonst mit den Straßen immer
war). Die 2. Korrektur betrifft die Höhe; ich hatte geschrieben kanpp 1.700 m –
tatsächlich waren es laut Schild aber nur 1.609 m. Immerhin!
Auf der anderen Seite wartete ein nicht weniger
spektakulärer Ausblick.
Aber nicht nur der Blick in der Ferne war fantastisch. Ich
konnte jetzt vor allem sehen, was ich aufgrund der Karte schon erahnt hatte.
Nämlich die Straße bergab.
Also noch schnell die Kamera ausgerichtet und es konnte
losgehen mit den letzten 30 Kilometern, die alle mehr oder weniger bergab sein
sollten.
Bei der Abfahrt habe ich dann keine weiteren Fotos gemacht,
weil die Kamera das einfach besser wieder gibt. Je nachdem wie gut meine
Internetverbindung in den nächsten Tagen ist, werde ich die Videos bzw.
zumindest einen Teil uploaden.
Mit einen Punkt meiner Annahmen sollte ich aber recht
haben. Hinter den Bergen ist das Wetter anders. Fürs Protokoll: Es hat
geregnet. Bzw. eigentlich waren es nur wenige große Tropfen aber immerhin das
Erste Mal dieser Tour, dass ich Regen hatte.
Die Abfahrt war toll. Auf dem Video bzw. den 3, die ich
gemacht habe, sieht man wie ich mit 50 – 70 km/h ins Tal sause. Und an der
Stelle bin ich wieder einmal glücklich über meine Scheibenbremsen. Gerade mit
dem etwas schwereren Rad ist eine ordentliche Bremse bei solch langen Abfahrten
ein erheblicher Sicherheitsfaktor. Wobei das ganze durch die geringe
Kontaktfläche mich der Straße (mehr als 4-5 mm in der Breite und wahrschein 20
mm in der Länge steht der schmale Reifen ja nicht auf der Straße auf. Zum Glück
war es dieses Mal eine schöne glatte Straße.
Entsprechend schnell vergingen die letzten 30 Kilometer und
auch der „Regen“ lies schon nach kurzer Strecke wieder nach. Heute war so ein
Tag – da hätte ich auch leicht 50 Kilometer weiter fahren können. Aber das, was
morgen kommt ich nicht so easy. Also lasse ich es lieber nach 151 km sein.
Nach 3 Nächten in Unterkünften, die ich über airbnb gebucht
hatte, hatte ich für diese Nacht schon vor ein paar Tagen wieder ein Hotel
gebucht. Vielleicht hätte ich bei den Privatquartieren bleiben sollen. Ok – es
gibt ein Bett und ein Badezimmer. Das war es dann aber auch schon wieder. Das
Personal spricht wieder kein Wort Englisch. Das alleine wäre ja nicht ganz so
schlimm – nur werden viele Spanier besonders unfreundlich wenn man es dann auf
Englisch versucht.
Sie sagte immer nur „nombre“. Ich dachte sie meint eine
Nummer der Buchung Sie wollte aber wohl nur meinen Namen wissen.. jetzt weiß
ich es auch. Aber auf die Idee einfach nach dem Pass zu fragen ist sie auch
nicht gekommen.
Mein Hotel liegt in Ojedo. Eigentlich wollte ich eins in
Potes aber dort war schon alles ausgebucht. Da Potes aber direkt an Ojedo
angrenzt machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Während ich so ging dachte ich
schon darüber nach was ich zum dem Ort schreiben könnte. Ich hatte mir schon vorgenommen
zu schreiben, dass es hier einfach nichts gibt, als mir auffiel, dass ich bei
der Durchfahrt mit dem Rad am Zentrum vorbei gefahren war.
Es ist einmal wieder ein extrem netter Ort mit kleinen
Gassen ganz verschachtelt an den Hang gebaut. Dies ist hier offenbar eine
Wander- und Kletterhochburg. Zumindest gibt es neben zahlreichen Restaurants
und Souveniershops vor alles Delikatessengeschäfte und
Kletter-/Wandergeschäfte.
Delikatessen sind hier vor allem Fleisch in allen Arten und
Äpfel.
Nachdem es genug Restaurants mit englischer Speisekarte
gab, stand auch dem Abendessen nichts mehr im Wege. Um die lokalen
Spezialitäten kennen zu lernen nehme ich immer ein Menü.
Und hier war sogar ein Getränk inkludiert. Eigentlich steht
ich nicht so sehr auf Cider aber mich hat auch weniger das Getränk als die
Apparatur, mit der man den Cider ins Glas bekommt interessiert. Auch auf die
Gefahr hin, dass ich mich jetzt lächerlich mache weil jeder außer mir weiß,
dass man Cider so einschenkt: Tada – die Cider Apparatur:
Man pumpt hier mit dem Blasebalg den Cider durch ein recht
langes Metallrohr damit dieser aus großer Höhe in ein schief gestelltes Glas
gespült wird. Aber auch andere Gäste hatten sichtlich Spaß mit dem Ding.
Alle Fotos gibt es hier:
Tourdaten:
Tageskilometer: 152 km
Gesamtkilometer Tour: 665 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,4 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 78,6 km/h
Höhenmeter aufwärst: 1.750
Höhenmeter abwärts: 2.300 m
Maximal Höhe: 1.609 m
Trittfrequenz durchschnittlich: 73 upm
Trittfrequenz maximal: 101 upm
Puls durchschnittlich: n/a
Puls maximal: n/a
Fahrzeit: 6:29 h
Ausblick auf morgen:
Ich fahren von Ojedo nach Santander. Die Strecke ist eher
kurz mit nur 106 km, dafür werden es 1.500 Meter auf und ab sein. Genau das,
was ich eigentlich nicht mag. Auch die Etappen danach werden keine 150 km haben
sondern um 110 km liegen. Nicht aus dem Grund, dass ich mich vor der Strecke
fürchte aber ich kann mir so Santander, Bilbao und San Sebastian ansehen. Und
da die Orte eben nur rd. 110 km auseinander liegen, werde es eher kürzere
Etappen sein. Von der Höhenmeter bin ich aber immer bei rd. 1.500 Höhenmeter.
Ich ersetze die Strecke also ein wenig durch Meter in die Höhe.
Aus diesem Grund habe ich den Umweg über das Zentralmassiv
auch schon aufgegeben. Es würde sich einfach nicht ausgehen, um rechtzeitig in
Paris zu sein. Und noch dazu hätte es dort außer einer Bergetappe auch nicht
viel gegeben.
Ich investiere die Zeit jetzt, um über Bordeaux zu fahren
und werde dort den 2. und letzten Pausentag einlegen. Die bedeutet allerdings,
dass ich hierfür 6 Tage am Stück fahren muss und nach dem Tag in Bordeaux nur
mehr 4 Tage bis Paris habe (darunter 1x 170 km).
Ich werde bei Gelegenheit den weiteren Gesamtverlauf einmal
mit posten.
Hier wieder der Link zur morgigen Tour:
Tageskilometer: 106 km
Höhenmeter aufwärst:
1.310 m
Höhenmeter abwärts: 1.560 m
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