Sonntag, 14. August 2016

5. Etappe: Zamora - Léon

Was habe ich aus dem heutigen Tag gelernt? Zu früh starten ist auch nicht gut. 1. ist es hier auf der (keine Ahnung, ob es wirklich so heißt – ich nenne es „spanische Hochebene“) in der Früh noch ziemlich kalt und 2. weht der Wind am Vormittag aus Richtung Norden. Früh bedeutet, dass ich um 8:30 bereits auf dem Rad saß. Bedenkt man, dass erst gegen 7:30 Sonnenaufgang ist, entspricht das vom Sonnenstand in etwa 6:00 in Wien. Und um die Zeit hat es hier tatsächlich erst 16°C. Zusammen mit dem Fahrtwind, weil es zu Beginn leicht bergab ging, war mir das schon wieder zu kalt. Und warum bin ich so früh los? Weil ausgerechnet - in der nach Lissabon größten Stadt - ein Hahn seit 5:00 im 10 Sekundentakt gekräht hat….



Dass heute Sonntag war bemerkte man am völlig fehlenden Autoverkehr auf dieser eigentlich schönen, glatten und breiten Straße. Eigentlich weil es hier wieder meine Freunde die Bodenreflektoren gab.



Die schauen recht harmlos aus – wenn man aber etwas träumend, die Umgebung betrachtend dahin radelt fetzt es einem fast den Lenker aus der Hand wenn man versehentlich über so ein Ding drüber fährt. Dazu hatte ich letztes Jahr am Weg nach Lissabon schon geschrieben, dass die mich hin und wieder ganz schön stressen.

Wenn ich hier überall die Rinder und Schafe neben der Straße sehe, muss ich doch feststellen, dass diese Art der Tierhaltung für mich als Laien sehr viel tiergerechter wirkt als diese in Deutschland oder Österreich meist der Fall ist. Ich habe hier noch in keinem Stall eine Kuh gesehen. Die rennen hier auf riesigen Flächen in großen Herden frei herum.




Auch die Schweine, die ich gestern fotografiert habe, haben eine unglaublich große Fläche zur Verfügung. Und hier gibt es dann auch tatsächlich noch recht regelmäßig Schafherden, die von Schäfern mit Hund begleitet werden. Irgendwie wirkt das hier alles noch etwas weniger industriell.



Und wo wir gerade bei Tieren sind. Wildtiere sehe ich ja meist leider nur tot. So weiß ich jetzt, dass hier auch recht große Schlangen (bin nicht sicher, ob die wirklich tot war – auf die Berührung mit einem Grashalm hat sie nicht reagiert – mit dem Finger berührt hat sie sich ziemlich glitschig angefühlt) und sogar Eulen gibt.

Mir kamen nun auch immer wieder andere Rennradfahrer entgegen, was bisher seit Lissabon nicht der Fall war. Von der Landschaft her war es heute ein wenig eintönig. So anstrengend die Hügel und Berge aus sein mögen, geben sie der Landschaft doch etwas Interessantes, das diese ebenen Flächen nach mehreren Stunden auf dem Rad einfach nicht mehr haben. Insbesondere wenn es doch hauptsächlich nur geradeaus geht, wird es nach einer Zeit doch etwas fad.

Der Vorteil war, dass ich sehr gut voran kam. 1.000 Höhenmeter weniger als an andere Tagen machen sich doch deutlich bemerkbar, so dass ich meine Pause erst nach über 100 km machte. Und hier gab es endlich wieder mal mein von letztem Jahr bekanntes „Bocadillo con queso e jamon“.



Die Kälte von der Früh war gegen Nachmittag dann auch wieder komplett vorüber und ich steuerte auf neue Temperaturrekorde zu. Durch die höhere Geschwindigkeit (siehe auch Durchschnitt unten) kam es mir aber bei weitem nicht so heiß vor wie es eigentlich war.



Einzig sehenswert waren hier die „Keller“ die man immer wieder in die Hügel gebaut hat. Ich habe nur leider keine Ahnung wozu sie gut sind. In Österreich würde man Wein hinein geben. Aber den habe ich hier schon sehr lange nicht gesehen – kann also nicht wirklich sein.



Nachdem ich jetzt bereits den 5. Tag mit komoot als Navigations-App unterwegs bin muss ich hier einmal meine Begeisterung für diese App anbringen. Ich hatte bisher kein einziges Problem bei der Navigation. Die Wege sind (soweit es ein Navi wissen kann) alle perfekt ausgewählt und der Akku hält jeweils problemlos ohne Nachladen über den ganzen Tag.
Ich kann die Route ganz easy am Laptop vorbereiten und mir dann einfach auf das Smartphone speichern, so dass ich unterwegs keine Datenverbindung brauchen. Ohne Datenverbindung ist zwar keine Routenplanung möglich aber die Offline-Karte reicht immer noch ein ganzes Stück über/neben die eigentliche Route hinaus, so dass man auch etwas woanders hin kann ohne Probleme zu bekommen. Auch gab es bisher keine Abstürze, obwohl das Smartphone ja teilweise 10 Stunden am Stück mit der App läuft. Und selbst bei knapp 40°C wird das Smartphone nicht wirklich warm. Durch den Fahrtwind wird es offenbar gut genug gekühlt. Also weiterhin eine volle Empfehlung. Auch wenn die Vollversion – für Android App Verhältnisse – mit 30 € ein Vermögen kostet. Funktioniert jedenfalls deutlich besser als alles, was es sonst ein Outdoor oder Fahrrad Navis gibt. Und ein paar habe ich zumindest im Geschäft schon einmal ausprobiert.

Ansonsten war heute nicht wirklich etwas los. Ich war bereits um 16:30 bei meiner Unterkunft. Die liegt zwar in einer irgendwie etwas komischen Gegend – tatsächlich habe ich aber mehr oder weniger die ganze Wohnung für mich alleine. Genau liegt die Wohnung im 8. Stock eines recht neuen Wohnkomplexes aus 6 Türmen, die etwas verloren in der Landschaft stehen. Infrastruktur in der Form von mehrspurigen Straßen, Kreisverkehren und zahlreichen Parkplätzen ist vorhanden. Nur scheint hier einfach fast niemand zu wohnen bzw. man hatte für weitere Bauten geplant. Die Parkplätze sind zumindest komplett leer und die Ausfahrten aus den Kreisverkehren enden nach ein paar Metern in der Wiese. Das Erdgeschoss, das aussieht als hätte dort ursprünglich ein Supermarkt hinein gebaut werden sollen gehört meinem Gastgeber. Anstatt Fensterscheiben ist hier aber alles zugemauert und er hat eine Golf 2 Sammlung + weiterer Fahrzeuge aus dem Volkswagen Konzern hier untergebracht. Dort steht auch mein Fahrrad – für mich deutlich angenehmer als gestern, wo es einfach nur vor der Wohnungstür stand.
Von den 6 recht modernen Wohnblöcken abgesehen ist es hier eine eher ärmliche Gegend. Ich habe weil es unglaublich heiß war und ich immer hätte gegen die Sonne fotografieren müssen kaum Fotos gemacht. Die reiche ich dann morgen nach.



Die Innenstadt von Léon ist zu Fuß rd. 30 Minuten entfernt. Heute wollte ich nur einen ersten Eindruck gewinnen – schließlich habe ich morgen ja ausreichend Zeit.






Hier gibt es alle Fotos:


Tourdaten:


Tageskilometer: 144 km
Gesamtkilometer Tour: 656 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,8 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 64,8 km/h
Höhenmeter aufwärst:  850 m
Höhenmeter abwärts: 680 m
Maximal Höhe: 900 m
Trittfrequenz durchschnittlich: 70 upm
Trittfrequenz maximal: 112 upm
Puls durchschnittlich: n/a
Puls maximal: n/a
Fahrzeit: 6:04 h





Trittfrequenz wurde seit der Pause nicht mehr aufgezeichnet weil der Sensor von Locus nicht mehr gefunden wurde.


Ausblick auf morgen:

Wie schon angekündigt – morgen mache ich eine Pause uns sehe mir nur Léon etwas an. Ich hätte zwar schon auch noch weiterfahren können, es kommen danach aber 2 Etappen mit sehr vielen Höhenmeter, die mich bis auf über 1.500 Meter hinauf führen. Da ist ein Tag Pause nach 5 Tagen hintereinander auf dem Rad vielleicht nicht so schlecht.


Der Link zur Tour von Dienstag kommt morgen.

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