Was habe ich aus dem heutigen Tag gelernt? Zu früh starten
ist auch nicht gut. 1. ist es hier auf der (keine Ahnung, ob es wirklich so
heißt – ich nenne es „spanische Hochebene“) in der Früh noch ziemlich kalt und
2. weht der Wind am Vormittag aus Richtung Norden. Früh bedeutet, dass ich um
8:30 bereits auf dem Rad saß. Bedenkt man, dass erst gegen 7:30 Sonnenaufgang
ist, entspricht das vom Sonnenstand in etwa 6:00 in Wien. Und um die Zeit hat
es hier tatsächlich erst 16°C. Zusammen mit dem Fahrtwind, weil es zu Beginn
leicht bergab ging, war mir das schon wieder zu kalt. Und warum bin ich so früh
los? Weil ausgerechnet - in der nach Lissabon größten Stadt - ein Hahn seit
5:00 im 10 Sekundentakt gekräht hat….
Dass heute Sonntag war bemerkte man am völlig fehlenden
Autoverkehr auf dieser eigentlich schönen, glatten und breiten Straße.
Eigentlich weil es hier wieder meine Freunde die Bodenreflektoren gab.
Die schauen recht harmlos aus – wenn man aber etwas träumend,
die Umgebung betrachtend dahin radelt fetzt es einem fast den Lenker aus der
Hand wenn man versehentlich über so ein Ding drüber fährt. Dazu hatte ich
letztes Jahr am Weg nach Lissabon schon geschrieben, dass die mich hin und
wieder ganz schön stressen.
Wenn ich hier überall die Rinder und Schafe neben der
Straße sehe, muss ich doch feststellen, dass diese Art der Tierhaltung für mich
als Laien sehr viel tiergerechter wirkt als diese in Deutschland oder
Österreich meist der Fall ist. Ich habe hier noch in keinem Stall eine Kuh gesehen.
Die rennen hier auf riesigen Flächen in großen Herden frei herum.
Auch die Schweine, die ich gestern fotografiert habe, haben
eine unglaublich große Fläche zur Verfügung. Und hier gibt es dann auch
tatsächlich noch recht regelmäßig Schafherden, die von Schäfern mit Hund begleitet
werden. Irgendwie wirkt das hier alles noch etwas weniger industriell.
Und wo wir gerade bei Tieren sind. Wildtiere sehe ich ja
meist leider nur tot. So weiß ich jetzt, dass hier auch recht große Schlangen
(bin nicht sicher, ob die wirklich tot war – auf die Berührung mit einem
Grashalm hat sie nicht reagiert – mit dem Finger berührt hat sie sich ziemlich
glitschig angefühlt) und sogar Eulen gibt.
Mir kamen nun auch immer wieder andere Rennradfahrer entgegen,
was bisher seit Lissabon nicht der Fall war. Von der Landschaft her war es
heute ein wenig eintönig. So anstrengend die Hügel und Berge aus sein mögen,
geben sie der Landschaft doch etwas Interessantes, das diese ebenen Flächen
nach mehreren Stunden auf dem Rad einfach nicht mehr haben. Insbesondere wenn
es doch hauptsächlich nur geradeaus geht, wird es nach einer Zeit doch etwas
fad.
Der Vorteil war, dass ich sehr gut voran kam. 1.000
Höhenmeter weniger als an andere Tagen machen sich doch deutlich bemerkbar, so
dass ich meine Pause erst nach über 100 km machte. Und hier gab es endlich
wieder mal mein von letztem Jahr bekanntes „Bocadillo con queso e jamon“.
Die Kälte von der Früh war gegen Nachmittag dann auch wieder
komplett vorüber und ich steuerte auf neue Temperaturrekorde zu. Durch die
höhere Geschwindigkeit (siehe auch Durchschnitt unten) kam es mir aber bei weitem
nicht so heiß vor wie es eigentlich war.
Einzig sehenswert waren hier die „Keller“ die man immer
wieder in die Hügel gebaut hat. Ich habe nur leider keine Ahnung wozu sie gut
sind. In Österreich würde man Wein hinein geben. Aber den habe ich hier schon
sehr lange nicht gesehen – kann also nicht wirklich sein.
Nachdem ich jetzt bereits den 5. Tag mit komoot als
Navigations-App unterwegs bin muss ich hier einmal meine Begeisterung für diese
App anbringen. Ich hatte bisher kein einziges Problem bei der Navigation. Die
Wege sind (soweit es ein Navi wissen kann) alle perfekt ausgewählt und der Akku
hält jeweils problemlos ohne Nachladen über den ganzen Tag.
Ich kann die Route ganz easy am Laptop vorbereiten und mir
dann einfach auf das Smartphone speichern, so dass ich unterwegs keine
Datenverbindung brauchen. Ohne Datenverbindung ist zwar keine Routenplanung möglich
aber die Offline-Karte reicht immer noch ein ganzes Stück über/neben die
eigentliche Route hinaus, so dass man auch etwas woanders hin kann ohne
Probleme zu bekommen. Auch gab es bisher keine Abstürze, obwohl das Smartphone
ja teilweise 10 Stunden am Stück mit der App läuft. Und selbst bei knapp 40°C
wird das Smartphone nicht wirklich warm. Durch den Fahrtwind wird es offenbar
gut genug gekühlt. Also weiterhin eine volle Empfehlung. Auch wenn die
Vollversion – für Android App Verhältnisse – mit 30 € ein Vermögen kostet.
Funktioniert jedenfalls deutlich besser als alles, was es sonst ein Outdoor
oder Fahrrad Navis gibt. Und ein paar habe ich zumindest im Geschäft schon
einmal ausprobiert.
Ansonsten war heute nicht wirklich etwas los. Ich war
bereits um 16:30 bei meiner Unterkunft. Die liegt zwar in einer irgendwie etwas
komischen Gegend – tatsächlich habe ich aber mehr oder weniger die ganze
Wohnung für mich alleine. Genau liegt die Wohnung im 8. Stock eines recht neuen
Wohnkomplexes aus 6 Türmen, die etwas verloren in der Landschaft stehen.
Infrastruktur in der Form von mehrspurigen Straßen, Kreisverkehren und
zahlreichen Parkplätzen ist vorhanden. Nur scheint hier einfach fast niemand zu
wohnen bzw. man hatte für weitere Bauten geplant. Die Parkplätze sind zumindest
komplett leer und die Ausfahrten aus den Kreisverkehren enden nach ein paar
Metern in der Wiese. Das Erdgeschoss, das aussieht als hätte dort ursprünglich
ein Supermarkt hinein gebaut werden sollen gehört meinem Gastgeber. Anstatt
Fensterscheiben ist hier aber alles zugemauert und er hat eine Golf 2 Sammlung
+ weiterer Fahrzeuge aus dem Volkswagen Konzern hier untergebracht. Dort steht
auch mein Fahrrad – für mich deutlich angenehmer als gestern, wo es einfach nur
vor der Wohnungstür stand.
Von den 6 recht modernen Wohnblöcken abgesehen ist es hier
eine eher ärmliche Gegend. Ich habe weil es unglaublich heiß war und ich immer
hätte gegen die Sonne fotografieren müssen kaum Fotos gemacht. Die reiche ich
dann morgen nach.
Die Innenstadt von Léon ist zu Fuß rd. 30 Minuten entfernt.
Heute wollte ich nur einen ersten Eindruck gewinnen – schließlich habe ich morgen
ja ausreichend Zeit.
Hier gibt es alle Fotos:
Tourdaten:
Tageskilometer: 144 km
Gesamtkilometer Tour: 656 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,8 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 64,8 km/h
Höhenmeter aufwärst:
850 m
Höhenmeter abwärts: 680 m
Maximal Höhe: 900 m
Trittfrequenz durchschnittlich: 70 upm
Trittfrequenz maximal: 112 upm
Puls durchschnittlich: n/a
Puls maximal: n/a
Fahrzeit: 6:04 h
Ausblick auf morgen:
Wie schon angekündigt – morgen mache ich eine Pause uns
sehe mir nur Léon etwas an. Ich hätte zwar schon auch noch weiterfahren können,
es kommen danach aber 2 Etappen mit sehr vielen Höhenmeter, die mich bis auf
über 1.500 Meter hinauf führen. Da ist ein Tag Pause nach 5 Tagen hintereinander
auf dem Rad vielleicht nicht so schlecht.
Der Link zur Tour von Dienstag kommt morgen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen