Sonntag, 21. August 2016

11. Etappe: Morcenx - Bordeaux

Heute war wieder alles anders. Die Sonne schien schon in der Früh. So wie es aussieht (zumindest sagt das die Wettervorhersage) wird der Vortag mein einziger Regentag bleiben. Sehr gut.

Ich startete also motiviert in den Tag und fuhr ähnlich wie gestern am Abend auf Nebenstraßen Richtung Norden. Während es zuerst noch hin und wieder Maisfelder neben der Straße gab, kamen irgendwann nur mehr Kiefern, Sand und so ein Heidekraut (oder wie das auch immer heißen mag).



Es war immer das gleiche Schema; alle 5 km kam ein Abbiegehinweis und dann ging es wieder 5 km nur in eine Richtung. Links und rechts gab es ausschließlich Kiefernanpflanzungen. Wald kann man es kaum nennen, weil die selbst ein Frankreich eher nicht im immer gleichen Abstand zur gleichen Zeit zu wachsen begonnen haben können.



Und das war jetzt wirklich langweilig. In Spanien war es teils schon nicht sehr spannend, wenn neben mir nur Felder waren aber zumindest konnte ich etwas weiter schauen. Heute gab es eben nur Bäume. Hin und wieder auch ein Dorf – wobei man es kaum Dorf nennen konnte – es waren eher lose Anordnungen von Häusern, die vielfach auch schon verfallen waren.



Der komplett blaue Himmel zog stellenweise immer wieder etwas zu und für eine ganze kurze Zeit regnete es gar minimal. Es ging weder bergab, noch bergauf und auch Wind gab es nahezu keinen. So geht es zwar vom Fahren her schnell voran aber die Zeit vergeht einfach nicht.

Und wenn ich in Spanien mich noch über die geringe Dichte an Supermärkten in Spanien teilweise beschwert habe. Hier ist sie definitiv noch geringer. Und noch dazu gibt es hier keine Tankstellen. Ich habe wirklich keine Ahnung wo man hier einkauft oder tankt. Ich kam genau an einem Supermarkt heute vorbei (der zum Glück am Sonntag auch geöffnet hat) und das war nach rd. 50 km.

Danach ging es genau so weiter wie zuvor – Bäume und sonst nichts. Außer vielleicht, dass die Straßenbreite hin und wieder variierte. Entsprechend gibt es heute auch nicht sehr viele Fotos – denn das was man auf den Fotos sieht ist schon mehr als es in Wirklichkeit gab. Man merkt es auch an der Länge des Textes – zu heute kann man nicht viel schreiben. Die Temperatur bewegten sich heute zwischen 20 und 30°C am Nachmittag.

Ein wenig Abwechslung gab es, als mich das Navi auf einen Fahrradweg leitete. Jetzt könnte man denken ich freue mich darüber. Aber bei Fahrradwegen bin ich nie so sicher, ob nicht irgendwann ein Schotterweg daraus wird – zumal dieser ohnehin zur Hälfte (die rechte) aus Schotter. Denn Fahrräder fahren ja so gerne über Schotter… So ging es weiter zwischen Kiefern hindurch auf diesem im Nichts gebauten Fahrradweg. Für wie lang? 5 km natürlich – und es blieb tatsächlich ein asphaltierter Weg bis zum Schluss.



Da mir die Strecke heute irgendwie zu kurz vorkam beschloss ich einen kleinen Umweg zu fahren (und noch aus einem anderen Grund – den löse ich zum Schluss auf). Anstatt wie ursprünglich geplant direkt nach Norden nach Bordeaux zu fahren, fuhr ich eine Straße, die so schön gerade Richtung nach Nordwesten verlief, dass ich sie schon wieder interessant fand. Damit handelte ich mir allerdings 30 km Gegenwind ein. Man sieht es recht schön am Chart, das die Geschwindigkeit auf nicht mehr viel über 20 km/h zurück ging.

Als ich schon zweifelte, ob es hier überhaupt irgendwo etwas zum Essen geben könnte, kam ich an einem Wakeboard-See vorbei, der über eine super Bar mit allerlei Speisen verfügte. Leider gab es eine Zeit lang nur einen freien Platz. Und der war mir wegen des Sitznachbarn nicht so ganz geheuer.



Nach dem Essen ging es weiter auf der elendig langen, gerade Strecke. Aber hier war deutlich mehr Verkehr als zuvor und auch wenn dies zum Fahrradfahren eigentlich nicht optimal ist. Es war doch bei weitem nicht mehr so langweilig wie zuvor. Da ich ja Autos grundsätzlich immer interessant finde, gab es zumindest etwas zum Anschauen.

Wie stark der Wind tatsächlich war, sieht man als ich dann wieder nordöstlich Richtung Bordeaux fahre. Aus den knapp über 20 km/h wurden plötzlich mit etwas Rückenwind über 35 km/h. So ging es schnell in Richtung Bordeaux und aus den ursprünglichen 108 km wurden 136 km.

BTW: Heute erreichte ich die bisher höchste Durchschnittsgeschwindigkeit mit 26,8 km/h und die höchste durchschnittliche Trittfrequenz. Gleichzeit aber auch die geringste Höchstgeschwindigkeit mit nur 45,9 km/h. Da merkt man, dass es recht eben war.

Aber selbst auf solchen Etappen, auf denen sich nicht viel tut oder wie gestern, wo ich im Regen gefahren bin. Ich denke jede Sekunde: Was bin ich für ein glücklicher Mensch, dass ich so etwas machen kann. Ich habe keine anderen Sorgen als etwas Gegenwind oder zu viele Bäume, etwas Regen oder vielleicht einen langen Anstieg. Ich habe zeitlich, von der Kondition und den Ressourcen her die Möglichkeiten nun schon zum 2. Mal eine solche Tour zu machen. Auch wenn es mitunter sehr anstrengend ist – ich bin überzeugt, dass ich in vielen Jahren an diese Tage zurück denken und wieder diese Texte lesen werde und denke: Was war das für eine schöne, einmalige Zeit. Ein „Abenteuer“, das einem für immer in Erinnerung bleibt. Noch dazu läuft dieses Mal alles ohne Probleme. Wobei ich diese im letzten Jahr eigentlich auch nicht hatte - aber immerhin tut mir mein Knie dieses Mal überhaupt nicht weh (letztes Jahr am 4. und 8. Tag) und auch hatte ich bisher nur eine Reifenpanne (auf über 1.400 km) – im letztes Jahr im Schnitt alle 500 km.

Am Abend ging ich fürs Abendessen in das Zentrum von Bordeaux – wobei ich ein richtiges Zentrum noch nicht entdeckt habe. Ist ein wenig verstreut hier alles. Und ausnahmsweise auch mal wieder Fotos vom Essen – weil es so typisch für Frankreich ist.








Alle Fotos gibt es hier:


Tourdaten:



Tageskilometer: 136 km
Gesamtkilometer Tour: 1.440 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 26,8 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 45,9 km/h
Höhenmeter aufwärts:  540 m
Höhenmeter abwärts: 690 m
Maximal Höhe: 144 m
Trittfrequenz durchschnittlich: 85 upm
Trittfrequenz maximal: 106 upm
Puls durchschnittlich: n/a
Puls maximal: n/a
Fahrzeit: 5:04 h





Ausblick auf morgen:

Morgen ist der letzte Pausentag für diese Tour, den ich in Bordeaux verbringen werde. Der Ausblick auf die nächste Etappe kommt daher morgen.


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