Donnerstag, 11. August 2016

1. Etappe: Lissabon – Sardoal

Der erste Tag ist nun also vorbei und hat mich schon ordentlich gefordert.
Bevor ich aber überhaupt starten konnte, musste ich mich um den Karton kümmern, damit ich in Paris nicht erst wieder mühsam einen organisieren muss, der dann doch wieder nicht passt,…
Also reist mit der Karton mit Chronopost (gleicher Anbieter, mit dem ich mein Rad letztes Jahr zurück nach Wien gesendet habe) voraus nach Paris ins Hotel.

Aus Lissabon heraus war genauso mühsam wie aus Genua, Nizza oder Barcelona heraus. Deswegen meide ich Großstädte weil man dort irgendwann immer auf Straßen fahren muss, die mit dem Fahrrad nicht optimal sind.
Wenn ich nicht wirklich sicher gewesen wäre auf der N1 zu fahren, hätte ich denken müssen ich wäre versehentlich auf die Autobahn gefahren



Die „Autobahn“ war dann bald wieder aus – dafür ging es rd. 40 km durch Industriegebiete.



Irgendwann bog ich von der Hauptstraße ab und es ging eine Zeit lang über kleinere Straßen bevor ich wieder zurück auf die Hauptstraße kam. Und auf der roch es bald stark nach Tomaten. Das war dann wohl so etwas 
wie eine Tomatensaucenfabrik.



Mit ist wie im Vorjahr weiter rätselhaft wie die Tomaten, in der Art wie sie transportiert werden, auch nur einigermaßen ganz in der Fabrik ankommen. Die liegen einfach so im LKW?!



Und dann folgte etwas, was mich auf den restlichen Kilometern noch viel Kraft kosten würden. Hier werde die Städte nicht etwas an den Tejo (der parallel zu meiner Route verlief, ich ihn aber nur kurz gesehen habe) sondern immer auf den höchsten Berg. Natürlich gehen die Straßen deswegen auch über die Berge und mein Navi meinte mich noch zusätzlich weiter rauf zu schicken weil ich mir dadurch ein paar Meter Strecke sparen konnte. Ich fuhr daher sinnlos rauf, um auf der anderen Seite wieder hinunter zu fahren.




Und das alleine wäre ja noch nicht so schlimm – nur war die Straße hinunter 1. extrem steil und 2. Mit Kopfsteinpflaster gepflastert, was mit Rennradreifen und 7 bar nicht wirklich lustig ist und extrem an den Händen weh tut. Ohnehin schon erschöpft von der Auffahrt warteten auf der anderen Seite gleich mehrfach kleine garstige Terrier, die mich schon aus der Ferne anpeilten, um mir dann aggressiv bellend fast vor das Rad zu springen. Ich habe zwar nicht wirklich Angst vor Hunden aber – Hallo – die kennen mich nicht und ich sie nicht und wer weiß was so einen portugiesischen Terrier so einfällt (ich werde noch nachliefern was für ein Hund das genau war – kenne mich da nicht so aus). Also schnell vorbei gesprintet und gehofft, dass die Hunde weniger Ausdauer haben als ich.

Und dann ist mir etwas passiert, was einem bei 37°Grad im Schatten (den es aber nicht gab auf der Route) nicht passieren sollte. Mir ging mein Wasser aus! Vorher gab es überall Tankstellen, Lidl, Aldi,…  aber genau als das Wasser fast aus war bog ich auf eine wirklich kleine Nebenstraße durch die Obst- und Gemüseanbaugebiete. Und hier wird einiges angebaut; Tomaten, Wein, Kukuruz, Melonen, Paprika, Melanzani.

Um einmal zu testen, ob die Tomaten vielleicht einfach so hart sind, dass sie nicht zerdrücken, habe ich 2 probiert. Etwas hart waren sie zwar aber so hart, dass man sie 2 Meter hoch stapeln kann mMn nicht. Das Rätsel bleibt ungelöst…
Den Wein habe ich auch probiert – sehr süß und gut essbar.

Nach weiteren 10 Kilometern ohne Wasser begann ich mir schon etwas Sorgen zu machen – zumal auf der Karte auch nicht wirklich Orte erkennbar waren. Das, was am ehesten in Frage kann war noch weitere 10 Kilometer entfernt. Ich habe schon überlegt, ob ich das Obst und Gemüse vielleicht verarbeiten kann; Paprikasaft? Melonensaft? Kukuruzsaft? Am ehesten hätte es wohl mit den Weintrauben funktioniert. Die hätte ich in den Trinkrucksack werfen können und dann in dieser zerdrücken können.
Da es in dem 10 Kilometer entfernten Ort dann aber ein Bistro/Cafe gab, blieb es bei den Überlegungen. Eigentlich wollte ich nur Wasser kaufen aber nachdem ich bereits 90 km gefahren war, bot sich eine Mittagspause an.

Dieses Bistro war wie im Bilderbuch. Weiße Häuser, blauer Himmel, eine kleine Kirche und alte Männer mit noch älteren Fahrrädern, die vor der Bistro bzw. im „Park“ saßen. Ich machte also Pause im 2,20 EUR Bistro. Ich weiß nicht wie es wirklich hieß aber es kostete dort alles 2,20 EUR. Egal was ich kombinierte (Wasser und Fanta, Gebäck und Fanta,…) Es kostete immer 2,20 EUR.



Ich nutzte die Pause, um den Akku vom Smartphone etwas nach zu laden. Es wäre aber trotz der langen Fahrzeit nicht nötig gewesen. Ich habe 17% Punkte nachgeladene und bin mit 35% im Hotel angekommen. Bis auf den kurzen Schotterweg und die „Abkürzung“ über den Berg bin ich von der Performance von komoot begeistert. Das Display schaltet sich zuverlässig ein und die Anweisungen sind gut erkennbar. Das Smartphone wird durch den Fahrtwind, auch nicht einmal sehr warm, obwohl es doch den ganzen Tag in der Sonne ist.

Vor dem Bistro sitzend entdeckte ich im Park DEN portugiesischen Trinkbrunnen. Die funktionieren nämlich scheinbar etwas anders als im Rest der Welt. Eigentlich wollte ich nur mein Gesicht etwas waschen und erwartete, ähnlich wie sonst, dass dort nun ein 2 cm hoher Wasserstrahl heraus kommen würde, den man wie eine Katze mit der Zunge aufschlecken müsste. Dieser war aber etwas anders….
Ich bin dann noch einmal hin, um es fotografisch festzuhalten.
Hier noch harmlos:



Und hier dann nur ca. halb gedrückt weil einer der alten Männer ca. 1,5 m entfernt gesessen ist (für einen portugiesischen Trinkbrunnen keine Entfernung).



Nach meiner Pause ging es noch 15 km gut weiter. Danach wurde es irgendwie zäh. Durch das ständige Auf und Ab (und vielleicht auch das fehlende Wasser vorher) war ich müde und die Beine wurden schwer. So viele Pausen auf den letzten 45 km habe ich sonst wohl nur gemacht als ich an der Cotê D’Azur gefahren bin letztes Jahr und es zum Schluss auch noch bergauf ging. Hier muss ich künftig wieder besser aufpassen. 1.000 Höhenmeter sind nicht so ohne – und wenn sie dann noch vor allem am Ende kommen erst recht nicht.
Und den starken Gegenwind, den ich den ganzen Tag hatte, habe ich noch nicht einmal erwähnt. Entsprechend katastrophal war meine Durchschnittsgeschwindigkeit. Gerade, dass es nicht weniger als 20 km/h geworden sind.

Dazu kam dann noch, dass hier selbst größere Straßen über teils mehrere Kilometer mit Kopfsteinpflaster gepflastert sind. Da war der 2 km Schotterweg, der danach irgendwann kam noch fast ok.
Sardoal, das das Ziel meiner heutigen Etappe war, lag dann auch wieder auf einem Berg. Ich erreichte daher erst um kurz vor 19 Uhr Portugalzeit das Hotel.

Außerhalb von Lissabon ist es mit der Verständigung dann auch schon wieder schwierig. Nur wenige sprechen Englisch und ich kein Spanisch oder Portugiesisch.  Die Kellnerin im Restaurant hat sich aus einer Bar nebenan einen Dolmetscher geholt. Es gab aber ohnehin nur ein Essen: Chicklegs with Potato.
Dazu gibt es dann noch Oliven, Brot mit Butter, einen Eistee und Wackelpudding. Und das alles zusammen um unglaubliche 9 Euro.

Hier finden sich alle Fotos des heutigen Tages:


Zum Schluss dann noch die Tourdaten der heutigen Etappe:
Anmerkung an dieser Stelle: Die Höhenmeter sind wie bei dem Logger letztes Jahr konfus. In der Planung von komoot waren es 1.000 m. In der Aufzeichnung von komoot 1.350, in Locus gar 2.058. Ich werde jetzt immer den Mittelwert nehmen.

Tageskilometer: 150,1 km
Höhenmeter bergauf: 1.350m
Höhenmeter bergab: 1.290m
Fahrzeit: 7:13




Ausblick auf morgen:

Man sollte denken, dass ich von heute gelernt habe und weniger Höhenmeter fahre. Geht aber nicht weil hier überall Berge sind. Ich lege daher noch einmal ein paar Höhenmeter drauf und werden rd. 2.000m fahren. Dafür ist die Distanz etwas kürzer.

Es geht von Sardoal nach Pernamcor



Tourkilometer: 139 km
Höhenmeter aufwärts: 1.950m
Höhenmeter abwärts: 1.660m





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