Der erste Tag ist nun also vorbei und hat mich schon
ordentlich gefordert.
Bevor ich aber überhaupt starten konnte, musste ich mich um
den Karton kümmern, damit ich in Paris nicht erst wieder mühsam einen organisieren
muss, der dann doch wieder nicht passt,…
Also reist mit der Karton mit Chronopost (gleicher
Anbieter, mit dem ich mein Rad letztes Jahr zurück nach Wien gesendet habe)
voraus nach Paris ins Hotel.
Aus Lissabon heraus war genauso mühsam wie aus Genua, Nizza
oder Barcelona heraus. Deswegen meide ich Großstädte weil man dort irgendwann
immer auf Straßen fahren muss, die mit dem Fahrrad nicht optimal sind.
Wenn ich nicht wirklich sicher gewesen wäre auf der N1 zu
fahren, hätte ich denken müssen ich wäre versehentlich auf die Autobahn
gefahren
Die „Autobahn“ war dann bald wieder aus – dafür ging es rd.
40 km durch Industriegebiete.
Irgendwann bog ich von der Hauptstraße ab und es ging eine
Zeit lang über kleinere Straßen bevor ich wieder zurück auf die Hauptstraße
kam. Und auf der roch es bald stark nach Tomaten. Das war dann wohl so etwas
wie eine Tomatensaucenfabrik.
Mit ist wie im Vorjahr weiter rätselhaft wie die Tomaten,
in der Art wie sie transportiert werden, auch nur einigermaßen ganz in der
Fabrik ankommen. Die liegen einfach so im LKW?!
Und dann folgte etwas, was mich auf den restlichen Kilometern
noch viel Kraft kosten würden. Hier werde die Städte nicht etwas an den Tejo (der
parallel zu meiner Route verlief, ich ihn aber nur kurz gesehen habe) sondern
immer auf den höchsten Berg. Natürlich gehen die Straßen deswegen auch über die
Berge und mein Navi meinte mich noch zusätzlich weiter rauf zu schicken weil ich
mir dadurch ein paar Meter Strecke sparen konnte. Ich fuhr daher sinnlos rauf,
um auf der anderen Seite wieder hinunter zu fahren.
Und das alleine wäre ja noch nicht so schlimm – nur war die
Straße hinunter 1. extrem steil und 2. Mit Kopfsteinpflaster gepflastert, was
mit Rennradreifen und 7 bar nicht wirklich lustig ist und extrem an den Händen
weh tut. Ohnehin schon erschöpft von der Auffahrt warteten auf der anderen
Seite gleich mehrfach kleine garstige Terrier, die mich schon aus der Ferne
anpeilten, um mir dann aggressiv bellend fast vor das Rad zu springen. Ich habe
zwar nicht wirklich Angst vor Hunden aber – Hallo – die kennen mich nicht und
ich sie nicht und wer weiß was so einen portugiesischen Terrier so einfällt
(ich werde noch nachliefern was für ein Hund das genau war – kenne mich da
nicht so aus). Also schnell vorbei gesprintet und gehofft, dass die Hunde
weniger Ausdauer haben als ich.
Und dann ist mir etwas passiert, was einem bei 37°Grad im
Schatten (den es aber nicht gab auf der Route) nicht passieren sollte. Mir ging
mein Wasser aus! Vorher gab es überall Tankstellen, Lidl, Aldi,… aber genau als das Wasser fast aus war bog ich
auf eine wirklich kleine Nebenstraße durch die Obst- und Gemüseanbaugebiete.
Und hier wird einiges angebaut; Tomaten, Wein, Kukuruz, Melonen, Paprika,
Melanzani.
Um einmal zu testen, ob die Tomaten vielleicht einfach so
hart sind, dass sie nicht zerdrücken, habe ich 2 probiert. Etwas hart waren sie
zwar aber so hart, dass man sie 2 Meter hoch stapeln kann mMn nicht. Das Rätsel
bleibt ungelöst…
Den Wein habe ich auch probiert – sehr süß und gut essbar.
Nach weiteren 10 Kilometern ohne Wasser begann ich mir
schon etwas Sorgen zu machen – zumal auf der Karte auch nicht wirklich Orte
erkennbar waren. Das, was am ehesten in Frage kann war noch weitere 10
Kilometer entfernt. Ich habe schon überlegt, ob ich das Obst und Gemüse
vielleicht verarbeiten kann; Paprikasaft? Melonensaft? Kukuruzsaft? Am ehesten
hätte es wohl mit den Weintrauben funktioniert. Die hätte ich in den Trinkrucksack
werfen können und dann in dieser zerdrücken können.
Da es in dem 10 Kilometer entfernten Ort dann aber ein
Bistro/Cafe gab, blieb es bei den Überlegungen. Eigentlich wollte ich nur
Wasser kaufen aber nachdem ich bereits 90 km gefahren war, bot sich eine
Mittagspause an.
Dieses Bistro war wie im Bilderbuch. Weiße Häuser, blauer
Himmel, eine kleine Kirche und alte Männer mit noch älteren Fahrrädern, die vor
der Bistro bzw. im „Park“ saßen. Ich machte also Pause im 2,20 EUR Bistro. Ich
weiß nicht wie es wirklich hieß aber es kostete dort alles 2,20 EUR. Egal was ich
kombinierte (Wasser und Fanta, Gebäck und Fanta,…) Es kostete immer 2,20 EUR.
Ich nutzte die Pause, um den Akku vom Smartphone etwas nach
zu laden. Es wäre aber trotz der langen Fahrzeit nicht nötig gewesen. Ich habe
17% Punkte nachgeladene und bin mit 35% im Hotel angekommen. Bis auf den kurzen
Schotterweg und die „Abkürzung“ über den Berg bin ich von der Performance von
komoot begeistert. Das Display schaltet sich zuverlässig ein und die
Anweisungen sind gut erkennbar. Das Smartphone wird durch den Fahrtwind, auch
nicht einmal sehr warm, obwohl es doch den ganzen Tag in der Sonne ist.
Vor dem Bistro sitzend entdeckte ich im Park DEN
portugiesischen Trinkbrunnen. Die funktionieren nämlich scheinbar etwas anders
als im Rest der Welt. Eigentlich wollte ich nur mein Gesicht etwas waschen und
erwartete, ähnlich wie sonst, dass dort nun ein 2 cm hoher Wasserstrahl heraus
kommen würde, den man wie eine Katze mit der Zunge aufschlecken müsste. Dieser
war aber etwas anders….
Ich bin dann noch einmal hin, um es fotografisch
festzuhalten.
Hier noch harmlos:
Und hier dann nur ca. halb gedrückt weil einer der alten
Männer ca. 1,5 m entfernt gesessen ist (für einen portugiesischen Trinkbrunnen
keine Entfernung).
Nach meiner Pause ging es noch 15 km gut weiter. Danach
wurde es irgendwie zäh. Durch das ständige Auf und Ab (und vielleicht auch das
fehlende Wasser vorher) war ich müde und die Beine wurden schwer. So viele Pausen
auf den letzten 45 km habe ich sonst wohl nur gemacht als ich an der Cotê D’Azur
gefahren bin letztes Jahr und es zum Schluss auch noch bergauf ging. Hier muss
ich künftig wieder besser aufpassen. 1.000 Höhenmeter sind nicht so ohne – und wenn
sie dann noch vor allem am Ende kommen erst recht nicht.
Und den starken Gegenwind, den ich den ganzen Tag hatte,
habe ich noch nicht einmal erwähnt. Entsprechend katastrophal war meine
Durchschnittsgeschwindigkeit. Gerade, dass es nicht weniger als 20 km/h
geworden sind.
Dazu kam dann noch, dass hier selbst größere Straßen über
teils mehrere Kilometer mit Kopfsteinpflaster gepflastert sind. Da war der 2 km
Schotterweg, der danach irgendwann kam noch fast ok.
Sardoal, das das Ziel meiner heutigen Etappe war, lag dann
auch wieder auf einem Berg. Ich erreichte daher erst um kurz vor 19 Uhr
Portugalzeit das Hotel.
Außerhalb von Lissabon ist es mit der Verständigung dann
auch schon wieder schwierig. Nur wenige sprechen Englisch und ich kein Spanisch
oder Portugiesisch. Die Kellnerin im
Restaurant hat sich aus einer Bar nebenan einen Dolmetscher geholt. Es gab aber
ohnehin nur ein Essen: Chicklegs with Potato.
Dazu gibt es dann noch Oliven, Brot mit Butter, einen
Eistee und Wackelpudding. Und das alles zusammen um unglaubliche 9 Euro.
Hier finden sich alle Fotos des heutigen Tages:
Zum Schluss dann noch die Tourdaten der heutigen Etappe:
Anmerkung an dieser Stelle: Die Höhenmeter sind wie bei dem
Logger letztes Jahr konfus. In der Planung von komoot waren es 1.000 m. In der
Aufzeichnung von komoot 1.350, in Locus gar 2.058. Ich werde jetzt immer den
Mittelwert nehmen.
Tageskilometer: 150,1 km
Höhenmeter bergauf: 1.350m
Höhenmeter bergab: 1.290m
Fahrzeit: 7:13
Ausblick auf morgen:
Man sollte denken, dass ich von heute gelernt habe und
weniger Höhenmeter fahre. Geht aber nicht weil hier überall Berge sind. Ich
lege daher noch einmal ein paar Höhenmeter drauf und werden rd. 2.000m fahren.
Dafür ist die Distanz etwas kürzer.
Es geht von Sardoal nach Pernamcor
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